Schottlands Norden: Sehenswürdigkeiten entlang der North Coast 500
Schottlands hoher Norden begeistert mit zerklüfteten Küsten, weißen Sandstränden, einsamen Moorlandschaften und eindrucksvollen Bergkulissen. Zwischen den weiten Landschaften von Sutherland und Caithness liegen historische Schlösser, geheimnisvolle Burgruinen und außergewöhnliche Natursehenswürdigkeiten.
Viele der bekanntesten Orte lassen sich entlang oder in der Nähe der North Coast 500 entdecken. Aufgrund der großen Entfernungen, der schmalen Straßen und der zahlreichen lohnenden Zwischenstopps sollte für eine Reise durch den Norden ausreichend Zeit eingeplant werden.
Weitere Höhepunkte aus verschiedenen Regionen des Landes stellen wir Ihnen in unserem allgemeinen Schottland-Blog vor:
Dunrobin Castle
Dunrobin Castle liegt nahe Golspie an der Ostküste von Sutherland und überblickt den Moray Firth. Mit seinen hellen Fassaden, den schlanken Türmen und den weitläufigen Gärten erinnert das Schloss eher an ein französisches Château als an eine klassische schottische Burg.
Am Standort von Dunrobin befand sich wahrscheinlich bereits im 13. Jahrhundert eine befestigte Anlage. Das Schloss war über viele Jahrhunderte der Stammsitz der Earls und späteren Dukes of Sutherland. Teile des mittelalterlichen Wehrturms sind bis heute im wesentlich größeren Gebäudekomplex erhalten.
Sein heutiges märchenhaftes Aussehen erhielt Dunrobin Castle vor allem im 19. Jahrhundert. Ab 1845 ließ Sir Charles Barry, der auch am Entwurf des Palace of Westminster in London beteiligt war, die frühere Festung umfassend umbauen. Nach einem Brand im Jahr 1915 gestaltete der schottische Architekt Sir Robert Lorimer große Teile des Innenbereichs neu.
Heute können Besucher ausgewählte historische Räume, ein Museum und die formalen Gartenanlagen besichtigen. Insgesamt besitzt Dunrobin Castle 189 Räume, von denen ein Teil öffentlich zugänglich ist.
Die Gärten von Dunrobin Castle
Die Gartenanlage wurde um 1850 ebenfalls nach Entwürfen von Charles Barry angelegt. Als Vorbild dienten die formalen Gärten von Versailles.
Terrassen, geometrisch angelegte Beete, Brunnen und gepflegte Hecken bilden einen eindrucksvollen Kontrast zur Landschaft der nördlichen Highlands. Durch die geschützte Lage zwischen Schloss und Küste gedeihen dort trotz der nördlichen Lage zahlreiche unterschiedliche Pflanzen.
Während der regulären Saison gehören außerdem Greifvogelvorführungen zum Besucherangebot. Dabei werden unter anderem Falken und Habichte gezeigt und die historischen Methoden der Falknerei erklärt. Die aktuellen Öffnungs- und Vorführungszeiten sollten vor der Anreise direkt beim Schloss geprüft werden.
Ardvreck Castle
Die Ruinen von Ardvreck Castle stehen auf einer felsigen Halbinsel im Loch Assynt. Durch ihre abgeschiedene Lage zwischen Wasser, Bergen und weitem Hochland gehört die Burg zu den stimmungsvollsten historischen Orten im Nordwesten Schottlands.
Ardvreck Castle wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts von den MacLeods of Assynt erbaut. Die ursprüngliche Anlage war deutlich größer als die heute sichtbaren Überreste. Erhalten geblieben sind unter anderem Teile eines rechteckigen Wohnturms, eines runden Treppenturms und der Gewölbe.
Eine bekannte Episode der Burggeschichte betrifft James Graham, den Marquess of Montrose. Nach seiner Niederlage in der Schlacht von Carbisdale wurde er 1650 in Ardvreck festgehalten und anschließend nach Edinburgh gebracht, wo er hingerichtet wurde. Die genauen Umstände seiner Gefangennahme werden in verschiedenen Überlieferungen unterschiedlich dargestellt.
Im Jahr 1672 übernahmen die Mackenzies Ardvreck Castle. Rund ein halbes Jahrhundert später errichteten sie mit Calda House eine modernere Residenz in unmittelbarer Nähe. Ardvreck wurde aufgegeben und verfiel im Laufe der Zeit.
Die häufig erzählte Geschichte, ein einzelner Blitzschlag habe die gesamte Burg zerstört, ist historisch nicht belegt. Das nahe gelegene Calda House wurde dagegen 1737 durch einen Brand zerstört.
Besucher können die Ruine von der Straße und den umliegenden Wegen aus betrachten. Das Gelände ist uneben und kann nach Regen nass oder rutschig sein. Ein Hinübergehen über freigelegte Uferbereiche sollte nur erfolgen, wenn der Zugang eindeutig sicher und zulässig ist.
Balnakeil Beach
Balnakeil Beach liegt in der Nähe von Durness an der äußersten Nordwestküste des schottischen Festlands. Ein weiter Bogen aus hellem Sand, mächtige Dünen und türkis wirkendes Wasser prägen das Landschaftsbild.
Der Strand eignet sich für Spaziergänge und Naturbeobachtungen. In den Dünen und Küstenbereichen wachsen zahlreiche Wildpflanzen, während in der Umgebung verschiedene See- und Küstenvögel beobachtet werden können.
Durch seine westliche Ausrichtung kann Balnakeil Beach bei geeigneten Wetterbedingungen besonders schöne Sonnenuntergänge bieten. Wind, Wolken und Sichtverhältnisse können sich an der Atlantikküste jedoch rasch verändern.
Der Strand und die Dünen sollten möglichst auf bestehenden Wegen erkundet werden. So lassen sich empfindliche Pflanzenbestände und Lebensräume schützen.
In der Nähe befinden sich außerdem die Ruinen der Balnakeil Church und das Balnakeil Craft Village. Durness mit weiteren Stränden und Aussichtspunkten liegt nur wenige Kilometer entfernt.
Smoo Cave
Smoo Cave liegt am östlichen Rand von Durness und gehört zu den außergewöhnlichsten Natursehenswürdigkeiten im Norden Schottlands. Der gewaltige Höhleneingang öffnet sich in einer steilen Kalksteinwand oberhalb einer schmalen Meeresbucht.
Die Höhle entstand durch das Zusammenspiel zweier unterschiedlicher Kräfte. Das Meer vergrößerte über lange Zeit den vorderen Eingangsbereich. Die weiter innen liegenden Kammern wurden dagegen durch einen Süßwasserlauf geformt, der durch den Kalkstein fließt. Smoo Cave ist damit zugleich Meeres- und Karsthöhle.
Über Treppen und einen angelegten Weg gelangen Besucher in den großen vorderen Bereich. Eine Brücke führt zu einer inneren Kammer, in die ein Wasserfall stürzt. Seine Stärke hängt von den vorangegangenen Niederschlägen ab.
Saisonale Führungen können noch weiter in das Höhlensystem führen und teilweise eine kurze Bootsfahrt beinhalten. Diese Touren sind jedoch vom Wasserstand und von den Wetterbedingungen abhängig und können kurzfristig ausfallen.
Die Bezeichnung „Smaragdhöhle“ ist für Smoo Cave nicht gebräuchlich. Ihre besondere Wirkung entsteht vielmehr aus dem großen Höhleneingang, den dunklen Kalksteinwänden, dem Wasserfall und dem einfallenden Tageslicht.
Castle of Mey
Castle of Mey liegt an der Nordküste von Caithness, nur wenige Kilometer von John o’ Groats entfernt. Bei klarer Sicht reicht der Blick über den Pentland Firth bis zu den Orkney-Inseln.
Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert von George Sinclair, dem 4. Earl of Caithness, für seinen Sohn William errichtet. Später war es unter dem Namen Barrogill Castle bekannt.
Im Jahr 1952 entdeckte Queen Elizabeth The Queen Mother das damals stark vernachlässigte Anwesen. Sie kaufte das Schloss, ließ es umfassend restaurieren und gab ihm wieder den ursprünglichen Namen Castle of Mey. Anschließend verbrachte sie dort regelmäßig mehrere Wochen im Sommer und Herbst.
Queen Elizabeth The Queen Mother war die Ehefrau von König George VI., die Mutter der verstorbenen Königin Elizabeth II. und die Großmutter des heutigen Königs Charles III.
Besucher erhalten bei einer Führung Einblick in verschiedene Räume und persönliche Erinnerungsstücke. Da das Castle of Mey bewusst als privates Wohnhaus gestaltet blieb, unterscheidet es sich deutlich von einem klassischen Museumsschloss.
Zum Anwesen gehören außerdem ein ummauerter Garten, Parkflächen und ein kleines Tierzentrum. Die Gartenanlage ist an die windige Küstenlage angepasst und umfasst unter anderem Rosen, Sträucher, Gemüse- und Obstpflanzen.
Castle und Garten sind saisonal geöffnet. Vor dem Besuch sollten die aktuellen Öffnungstage geprüft werden, da das Anwesen an bestimmten Terminen geschlossen sein kann.
Die North Coast 500
Die North Coast 500, häufig kurz NC500 genannt, ist eine ausgeschilderte Ferienroute durch den hohen Norden Schottlands.
Sie beginnt und endet in Inverness und führt durch:
- die Black Isle,
- Easter Ross,
- Caithness,
- Sutherland,
- Wester Ross,
- Inverness-shire.
Insgesamt umfasst die Route 516 Meilen beziehungsweise rund 830 Kilometer. Sie verläuft auf bereits bestehenden Straßen entlang der Ost-, Nord- und Westküste der Highlands.
Zu den bekannten Sehenswürdigkeiten entlang oder in der Nähe der Route gehören unter anderem:
- Dunrobin Castle,
- Castle of Mey,
- John o’ Groats,
- Dunnet Head,
- Smoo Cave,
- Balnakeil Beach,
- Ardvreck Castle,
- Ullapool,
- die Landschaften von Wester Ross,
- der Applecross-Pass.
Die NC500 sollte nicht als Strecke betrachtet werden, die möglichst schnell abgefahren werden muss. Die Distanzen, schmalen Straßen, Wetterbedingungen und zahlreichen Zwischenstopps erfordern eine sorgfältige Planung. Unterkünfte sollten besonders während der Hauptreisezeit rechtzeitig reserviert werden.
Linksverkehr und Single-Track Roads
In Schottland wird auf der linken Straßenseite gefahren. Beim Abbiegen, nach Pausen und beim Verlassen von Tankstellen oder Parkplätzen sollten sich ausländische Fahrer bewusst an den Linksverkehr erinnern.
Auf der North Coast 500 gibt es zahlreiche Single-Track Roads, die nur breit genug für ein Fahrzeug sind. Entgegenkommende Fahrzeuge passieren einander an ausgewiesenen Passing Places.
Dabei gilt:
- Liegt die Ausweichstelle links, fährt man hinein und wartet.
- Liegt sie rechts, hält man gegenüber und lässt das entgegenkommende Fahrzeug hineinfahren.
- Passing Places dürfen nicht als Parkplätze oder Fotostopps benutzt werden.
- Langsamere Fahrzeuge sollten auch nachfolgenden Verkehr vorbeilassen.
- Die Geschwindigkeit muss an Kurven, Sicht, Tiere, Radfahrer und Wetterbedingungen angepasst werden.
Für Landschaftsaufnahmen sollten ausschließlich sichere Parkplätze und ausgewiesene Haltebereiche genutzt werden.