Zum Inhalt springen

Glencoe: Landschaft, Geschichte und Sehenswürdigkeiten im berühmten Highlandtal

Glen Coe gehört zu den bekanntesten Landschaften der schottischen Highlands. Steile Bergflanken, Wasserfälle, Bäche und weite Hochlandlandschaften verleihen dem Tal seinen dramatischen Charakter.

Gleichzeitig ist Glen Coe eng mit einem der tragischsten Ereignisse der schottischen Geschichte verbunden. Aufgrund des Massakers von 1692 wird das Tal gelegentlich poetisch als „Tal der Tränen“ bezeichnet. Der gälische Name Gleann Comhann bedeutet allerdings nicht wörtlich „Tal der Tränen“, sondern bezieht sich auf den River Coe, der durch das Tal fließt.

Heute ist Glen Coe ein beliebtes Ziel für Naturliebhaber, Fotografen, geschichtsinteressierte Reisende und Wanderer. Die Region bietet sowohl kurze Spazierwege als auch anspruchsvolle Bergtouren.

Weitere Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Teilen des Landes stellen wir Ihnen in unserem allgemeinen Schottland-Blog vor:

Schottland Sehenswürdigkeiten


Das Dorf Glencoe

Glencoe Village liegt am westlichen Ende des Tals in der Nähe von Loch Leven. Das kleine Dorf ist heute ein wichtiger Ausgangspunkt für die Erkundung von Glen Coe und der umliegenden West Highlands.

In der Umgebung befinden sich Unterkünfte, Cafés, das Glencoe Folk Museum und verschiedene Wanderwege. Ein Denkmal im Dorf erinnert an die Angehörigen des Clan MacDonald, die beim Massaker von Glencoe getötet wurden.

Etwas außerhalb des Dorfes liegt das Besucherzentrum des National Trust for Scotland. Dort erhalten Gäste Informationen zur Landschaft, Geologie, Tierwelt und Geschichte des Tals. Eine Ausstellung sowie ein Kurzfilm erzählen unter anderem vom Leben der früheren Bewohner und den Ereignissen des Jahres 1692. Auf dem Gelände wurde außerdem ein traditionelles Wohnhaus aus Torf und Flechtwerk rekonstruiert, das zeigt, wie Menschen in Glen Coe im 17. Jahrhundert gelebt haben könnten.


Das Massaker von Glencoe

Das Massaker ereignete sich am frühen Morgen des 13. Februar 1692. Hintergrund waren politische und religiöse Spannungen nach der Absetzung des Stuartkönigs James VII. von Schottland und II. von England.

Die Highland-Clans sollten bis zum 1. Januar 1692 einen Treueeid auf König William III. leisten. Alastair MacIain, das Oberhaupt der MacDonalds von Glencoe, machte sich zwar rechtzeitig auf den Weg, konnte seinen Eid aufgrund verschiedener Verzögerungen aber erst am 6. Januar ablegen. Obwohl er davon ausging, dass der Eid akzeptiert worden war, war bereits beschlossen worden, an seinem Clan ein abschreckendes Beispiel zu statuieren.

Ende Januar wurden ungefähr 120 Soldaten des Regiments des Earl of Argyll in Glen Coe einquartiert. Die MacDonalds gewährten ihnen fast zwei Wochen lang Unterkunft und Verpflegung. Unter den Soldaten befanden sich auch Mitglieder des Clan Campbell, doch das Massaker war keine gewöhnliche Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Clans, sondern eine von Regierungsvertretern geplante militärische Aktion.

Am Morgen des 13. Februar griffen die Soldaten ihre Gastgeber an. 38 Männer, Frauen und Kinder wurden unmittelbar getötet. Zahlreiche weitere Menschen flohen in die winterlichen Berge; viele von ihnen starben vermutlich an Kälte und Erschöpfung.

Besonders erschütternd war der Missbrauch der zuvor gewährten Gastfreundschaft. Eine spätere parlamentarische Untersuchung bezeichnete das Geschehen deshalb als „murder under trust“ – als Mord unter dem Schutz eines zuvor aufgebauten Vertrauensverhältnisses.


Die Landschaft von Glen Coe

Die heutige Landschaft wurde über einen Zeitraum von mehreren Hundert Millionen Jahren geformt. Vulkanische Prozesse schufen die geologische Grundlage, bevor mächtige Gletscher während der Eiszeiten das tiefe Tal und seine steilen Bergflanken ausarbeiteten.

Der River Coe durchquert das Tal und mündet schließlich in Loch Leven. Wasserfälle, Bergbäche, Wälder und offene Moorlandschaften prägen die Umgebung.

Glen Coe ist heute als National Nature Reserve geschützt. Der National Trust for Scotland betreut dort rund 5.665 Hektar Land und etwa 60 Kilometer Wanderwege. Die Wege reichen von kurzen Wald- und Flussspaziergängen bis zu anspruchsvollen Berg- und Gratwanderungen.

Auch die Tierwelt ist vielfältig. In den höheren Regionen leben unter anderem Schneehühner und Schneehasen. Im Tal können Rothirsche, Wildziegen und verschiedene Vogelarten beobachtet werden; mit etwas Glück ist sogar ein Steinadler zu sehen.


Glen Coe als Filmkulisse

Die dramatische Landschaft von Glen Coe und dem benachbarten Glen Etive ist aus verschiedenen Filmen und Serien bekannt.

Glen Coe diente unter anderem als Kulisse für:

  • Harry Potter
  • Skyfall
  • Braveheart
  • Rob Roy
  • Outlaw King

In der ersten Staffel von Outlander ist die Landschaft in den Eröffnungstiteln zu sehen.

Einige besonders bekannte Szenen entstanden allerdings im unmittelbar benachbarten Glen Etive. Dort wurden Landschaftsaufnahmen für Skyfall sowie eine Szene aus Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1 gedreht.


Mit dem Auto durch Glen Coe

Die A82 führt durch das Tal und verbindet die Region unter anderem mit Fort William und Glasgow. Entlang der Strecke befinden sich mehrere ausgewiesene Park- und Aussichtsmöglichkeiten.

Auf der gesamten Strecke gilt Linksverkehr. Geschwindigkeiten werden in Meilen pro Stunde angegeben. Auf Straßen mit jeweils einer Fahrspur pro Richtung beträgt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für Pkw grundsätzlich 60 mph beziehungsweise rund 96 km/h, sofern keine niedrigere Begrenzung ausgeschildert ist.

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit sollte nicht mit einer sicheren Fahrgeschwindigkeit verwechselt werden. Kurven, Regen, Nebel, Seitenwind und dichter Ausflugsverkehr können eine deutlich langsamere Fahrweise erforderlich machen. Für Fotos und Landschaftsbeobachtungen sollten ausschließlich ausgewiesene Parkplätze und Haltebuchten genutzt werden.


Die Three Sisters of Glencoe

Die Three Sisters gehören zu den bekanntesten Ansichten des Tals. Es handelt sich nicht um drei voneinander unabhängige Berge, sondern um drei markante, nach Norden abfallende Bergrücken des Bidean-nam-Bian-Massivs.

Vom Three Sisters Viewpoint an der A82 eröffnet sich ein direkter Blick auf die steilen Felswände. Für diese Aussicht ist keine Wanderung erforderlich.

In der Nähe beginnt die Wanderung in das Hidden Valley, auf Gälisch Coire Gabhail. Das abgeschiedene Hochtal soll von den MacDonalds früher zum Verbergen erbeuteter Rinder genutzt worden sein. Während des Massakers suchten dort vermutlich ebenfalls Menschen Schutz.

Die Tour zum Hidden Valley dauert ungefähr zwei bis drei Stunden. Der Weg führt durch eine enge Schlucht und über steilen, felsigen Untergrund. Trotz der vergleichsweise kurzen Entfernung ist die Wanderung nicht mit einem einfachen Spaziergang gleichzusetzen.


Buachaille Etive Mòr

Buachaille Etive Mòr erhebt sich am östlichen Eingang zu Glen Coe und überblickt Glen Etive und das Rannoch Moor. Seine markante pyramidenartige Form macht den Berg zu einem der bekanntesten Fotomotive der schottischen Highlands.

Der Name bedeutet ungefähr „großer Hirte von Etive“. Der langgestreckte Bergrücken umfasst mit Stob Dearg und Stob na Bròige zwei Munros – schottische Berge mit einer Höhe von mehr als 3.000 Fuß beziehungsweise 914,4 Metern.

Die vollständige Tour über den Bergrücken ist eine lange und anspruchsvolle Bergwanderung. Für die übliche Route sollten ungefähr sieben bis neun Stunden eingeplant werden. Gute Kondition, Trittsicherheit, geeignete Bergausrüstung und sichere Navigation sind erforderlich.

Einzelne Anstiege und Kletterrouten, darunter die Curved Ridge, sind nur für erfahrene Bergsteiger geeignet. Das Wetter kann sich rasch ändern, und eine freie Aussicht vom Gipfel ist nicht garantiert.


Glen Coe auf unserer Schottland-Rundreise

Glen Coe ist auch ein landschaftlicher Höhepunkt unserer geführten Schottland Rundreise: Die schönsten Plätze.

Während unserer Panoramafahrt durch die West Highlands legen wir einen Stopp in Glen Coe ein. Dabei erhalten Sie einen Eindruck von den dramatischen Berglandschaften und erfahren mehr über die bewegte Geschichte des Tals. Eine Wanderung oder der Besuch des Besucherzentrums ist im derzeitigen Reiseprogramm nicht vorgesehen.

Anschließend führt die Reise weiter zum Loch Lomond und nach Glasgow. Neben den West Highlands besuchen wir unter anderem Edinburgh, Stirling Castle, St Andrews, Royal Deeside, Dunnottar Castle, Loch Ness, Eilean Donan Castle und die Isle of Skye.

Schottland Rundreise: Die schönsten Plätze

Diese Reisen könnten Sie interessieren